Top 5 “Whisky Marketing” Frühjahr 2013

Ich liebe ja diese Top-10 oder Top-5 Listen, auch wenn ich aus dem Alter, in dem ich regelmäßig die Hitparade verfolgt habe längst raus bin. Ob das heute überhaupt noch so spannend ist, in Zeiten von iTunes und Echtzeit-Statistiken überall, weiß ich nicht. Deshalb völlig un-statistisch sonder vollkommen subjektiv und lückenhaft meine Top-5 Marketing Aktionen der letzten Wochen, zu verantworten von einer ziemlich verrückten Branche:

Platz 5: Highland Park Loki

Der ist nicht neu, ein mittel-alter Whisky in einem – na sagen wir mal kontroversen Holzgestell für einen ziemlich happigen Preis wird auf einer mehr oder weniger finsteren Wikinger Tour durch Europa und den Rest der Welt vorgestellt.
Nicht neu, weil letztes Jahr schon mal so passiert (Thor), und der Inhalt der Verpackung ist so gut, dass er das nicht nötig gehabt hätte, aber es hat funktioniert, hätte aber wahrscheinlich auch ohne funktioniert. Doch Wikinger müssen eben ab und an mal Europa überfallen und unsere Vorfahren wären sicher froh gewesen, wenn sie vor 1000 Jahren auch nur guten Schnaps in albernen Gestellen, satt Schwertern dabei gehabt hätten.
Holz-Plakette für Highland Park.

Platz 4: The Macallan

Viele Whisky-freunde, mich eingeschlossen, finden den Trend zu immer meht NAS (No Age Statement) Abfüllungen bedenklich. Solange einem die Wahl bleibt, die dann natürlich deutlich teureren Flaschen mit Altersangabe zu kaufen ist das eine ärgerlich, das andere nicht weiter störend. Das die Leute, die sowieso schon lange Rolls-Royce-Preis für Ihren Whisky nehmen uns jetzt die Sherry-Oak Reihe komplett durch eine Reihe bunter NAS Bottles ersetzen, die eher noch ambitionierter im Preis sind als die bisherigen Abfüllungen ist – nun-ja – mutig. Man könnte auch sagen frech. ich selbst hatte noch keine Gelegenheit die neuen zu probieren, aber was man so hört und liest ist der Versuch auf Farbe als Qualitätsmerkmal anstelle von Alter zu setzten nicht sehr überzeugend. Dass sie das ganze dann auch noch mit recht komplizierten Erläuterungen zu ihrem überlegenen Faßmanagement begründen rettet in meinen Augen nichts.
Platz 4 und die Medaille aus Blech weil Frechheit offensichtlich siegt, aber der Mut das auch in Nordamerika und Asien durch zu ziehen fehlt.

Platz 3: Der Ardbog

Auch Ardbeg verfährt nach dem Motto, ‘never change a winning plan’ und wie Highland Park gibt ihnen der Erfolg recht. Dass der Ardbog-Trick die Leute noch mehr involviert als die nordischen Gottheiten und der Hype deutlich stärker auf den Endkunden zielt verschafft Ardbeg den Bronze-Platz. Bleibt nur zu hoffen, dass die Community die Qualität eher in der Nähe eines Alligator einordnen kann als beim Gallileo, der immerhin noch ins All fliegen durfte. Aber so oder so werden die Preise wohl die Richtung nach oben nehmen und viele Flaschen statt im All bei E-Bay zu fantastischen Preisen landen.
Ober er schmeckt? Weiß noch keiner, and ‘who cares’.

Platz 2: Makers Mark

Das war billig, und so clever, dass man vermuten muss es war tatsächlich nicht geplant: Makers Mark, der besser Bruder von Jim-Beam sollte laut Ankündigung im Alkoholgehalt reduziert werden. Ein Aufschrei in der Community der Whiskey-Liebhaber mit Hang zur typischen Bourbon-Klebstoff-Note war die vorhersehbare Folge und ein Run in die Liqour-Stores um noch eine Pulle oder besser 2 Kisten vom aktuellen Stoff zu ergattern die (wahrscheinlich erhoffte) Konsequenz. Kaum ist der Sturm vorüber, entschuldigt man sich bei den Fans für die Pläne, und beschließt statt durch Absenkung des Alkoholgehalts, durch Preisanpassungen und optimierte Lokalisation der erhöhten Nachfrage zu begegnen. Die Fans sind versöhnt, und freuen sich sogar noch über die verklausuliert angekündigten Preiserhöhungen und die Umverteilung in höher-preisige Shops.
Nur deshalb kein erster Platz, weil man vermuten muss, dass das ganze tatsächlich nicht geplant war.

Platz 1: The Glenlivet Alpha

Nachdem die James-Bond ‘geadelte’ andere Marke mit den großen ‘The’ im Namen diesmal nur Platz 4 belegt, bleibt die Goldmedaille für The Glenlivet. Trotz großer Tradition ist das Marken-Image von Glenlivet eher Opel als Rolls, aber das schadet dem Selbstbewusstsein von deren Marketing-Strategen offensichtlich nicht. Als Bruichladdich eine schwarze Flasche mit geheimnisvoller Aura auf den Markt brachte, war noch klar, dass sie 22 Jahre alten Whisky enthielt, der vom experimentierfreudigen Whisky-Guru Jim McEvan persönlich ‘verfinished’ war. Für einen vergleichbaren Preis gibt es nun den Alpha von The Glenlivet, ebenso schwarz in der Flasche, aber quasi ohne irgendwelche Information, außer der, die von Gesetzes wegen drauf muss. Limitiert auf 3350 Flaschen (vielleicht einen Magische Zahl?) soll der Kunde erst 6 Wochen nach dem Kauf erfahren, was er da geordert hatte. Denn die 3350 dunklen Gesellen sind dann sicher ausverkauft.
Dern ersten Platz in der Hoffnung, dass da jemand genug Humor hat den Leuten im Juni mitzuteilen, dass es ganz gewöhnlicher 12-jähriger aus der Brennerei ist, und dass man den ganze Hype echt nicht nötig hat, wenn an guten Whisky macht. Man wird ja wohl träumen dürfen.

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