Kleines Glen Grant Vergleichstasting

Das Line-up war:

Glen Grant Major's Reseve, 10 and 16 year old and 170.

Hier der Aufmarsch der vier

  • Glen Grant Major’s Reserve, 40%, keine Altersangabe
  • Glen Grant 10 Jahre, 40%
  • Glen Grant 16 Jahre, 43%
  • Glen Grant 170th Anniversary, 46%

Es sind allesamt sehr sauber gemachte Whiskies, bei denen die malzigen Noten und helle Früchte dominieren. Früher gab es einen 5-jährigen Glen Grant, der vor allem in Italien beliebt war und auch dort noch vermarktet wird. Das war schon so, bevor Glen Grant 2005 von Campari übernommen wurde, und es ist leicht zu sehen warum: Die jüngeren Glen Grants sind Sommerwhiskies – sie sind leicht, erfrischend und vor allem als Aperitif geeignet. In einem Tasting zusammen mit kräftigeren Sherry- oder Rauchbomben würden sie leicht untergehen, aber im direkten Vergleich können sie ihre Qualitäten ausspielen: Sehr fruchtige Noten nach Vanille, Äpfeln und Birnen, die beim 16er durch zarte, beim 170er durch kräftigere Eichenaromen ergänzt werden.

Diese jüngeren Glen Grants haben auch bei Maltheads, in Foren und Diskussionen – und auch bei uns, wir geben es zu, auch wir können uns dem Hype nicht entziehen – größere Aufmerksamkeit bekommen, weil sie in Jim Murrays Whisky Bible durchweg gute bis sehr gute Bewertungen bekommen haben: Der 10-jährige wurde z.B. 2013 Gewinner in der 10-Jahre-und-jünger-Alterskategorie und bekam 95 von 100 Punkten (und auf das Phänomen Jim Murray und das 100-Punkte-System werden wir bestimmt in diesem Blog noch ausführlicher eingehen müssen!).

Für mich hatte der 10er die schönste Fruchtigkeit, während der Major’s Reserve im direkten Vergleich ein wenig zu sprittig-jugendlich daherkam – vom Preis-Leistungs-Verhältnis sind wohl beide unschlagbar. (Zur Zeit kostet der Major’s Reserve um die 15€ und der 10-jährige um die 25€, und man findet beide auch im Supermarkt).

Die beiden älteren sind komplexer und haben mehr Eichenholzaromen, wobei mir der Preissprung zum 170er, bei dem ältere Fässer (bis in die 1970er Jahre) und auch leicht getorfte Whiskies verwendet wurden, zu heftig war – ich fand ihn zwar graduell besser, aber im 100€-Bereich gibt es für mich interessantere Whiskies; das liegt aber wohl auch daran, dass ich generell kräftigere Whiskies bevorzuge …

Der Gewinner war für mich der 10er mit seiner jugendlichen Frische. Schön ist auch, dass sie, wenn überhaupt, nur sehr dezent mit E150 gefärbt sind – sie sind alle hell- bis mittelgold, was dem tatsächlichen Fasseinfluss entspricht.

6 thoughts on “Kleines Glen Grant Vergleichstasting

  1. Avatar of mmmm

    Wenn sich jemand wundert, warum wir den Major zum General befördert haben, dann kann geholfen werden:
    Es hat nicht etwa damit zu tun, dass er schon so lange im Schrank stand, dass er ein paar Beförderungen hinter sich gebracht hat, sondern das ist einfach unsere sehr subtile Bewerbung um Freikarten für den Whisky-Herbst in – genau Köpenick!

  2. Greenkeeper

    Schöner Bericht, diesmal mit einem schönen Foto aufgehübscht. Und weil der Bericht gut und interessant ist, hätte ich mir ehrlich gesagt gerne eine etwas ausführlichere Version gewünscht.

    In einem anderen Forum war übrigens der Major’s reserve bei einem Blindtasting von mehreren Testern und 6 verschiedenen Whisky-Proben die Überraschung. Schließlich konnte er mit Konkurrenten wie dem Jura 16, dem Glenlivet 15 (nicht der French oak ! ) und vor allem dem Dalmore King Alexander III mithalten bzw. bei einem Tester (zufälliger Weise auch noch mir selbst !) den Spitzenplatz belegen.

    Auch wenn ich im Nachhinein zugeben muss, den Fehler begangen zu haben, bei den Blindproben zuviel gerätselt und zuviel kombiniert zu haben, mithin meinen Erwartungen zu viel Einfluss auf die Bewertung gab und mich zuwenig rein auf die tatsächlichen Eindrücke konzentriert zu haben, so bleibt trotz der Jugend des Major’s reserve und der dadurch verbliebenen leichten Sprittigkeit sowie der fehlenden Tiefe an Eindrücken doch das Ergebnis stehen, einen wunderbar unkomplizierten, sauberen, frischen und ungemein süffigen Sommermalt getrunken zu haben, der im Supermarkt um die Ecke dann für unglaubliche 11,99 Euro nach gekauft werden konnte. Der 10yo. und der 16yo. stehen nach diesem Erlebnis auch auf meiner Liste.

    1. Avatar of mmmm

      Hallo Greenkeeper. Danke für den Kommentar. Du hast recht, wir basteln noch an alle Fronten, und damit auch an der Ausführlichkeit der Texte. Vorschlag von mir: Ich schicke Dir Samples von der ganzen Parade – still gestanden – und Du ergänzt die Tasting-Notes?

  3. Avatar of susu Post author

    Hi,
    Danke für die ergänzenden Kommentare – ich hatte es im Nachhinein geschrieben und mir keine Tastingnotes gemacht, deshalb gab’s keine ausführlicheren Bewertungen; in Zukunft werden wir das vielleicht anders machen …

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