Gold, Amber, Sienna and Ruby…

… ist die neue Standard-Reihe von ‚The Macallan‘. Die Brennerei ist im eigenen Selbstverständnis der Rolls-Royce unter den Whiskys und muss sich daran natürlich messen lassen. Die klassischen Sherry-Oak-Expressions haben 2004 Zuwachs von der Fine-Oak-Familie erhalten, die als die wichtigste Neuerung seit 180 Jahren angekündigt war.themacallen_spiritual_home Nun, keine 10 Jahre später, steht uns – zumindest wenn man dem Marketing vom Macallan vertraut – also die nächste epochale Neuerung ins Haus. Zumindest in Europa und einigen anderen Märkten soll die neue, farbcodierte Serie die beiden anderen ersetzten.

Die Whiskys tragen keine Altersangaben, sind also no age statement (NAS) Abfüllungen und haben relativ ambitionierte Preise dafür – aber einen Rolls-Royce gibts nun mal nicht zum Dacia-Preis.

Wir haben uns als mal der vier Neuen als Proben angenommen und sie gegen die ‚Alten‘ gestellt. Für die Sherry-Oaks haben wir den 12jährigen ins Rennen geschickt, ein echter Klassiker, im Moment noch da und dort um die 50 Euro zu haben, aber schon sind deutliche Tendenzen zum preislichen Höhenflug erkennbar, und in der Fine-Oak-Ecke haben wir den 18-jährigen antreten lasse, der die 100-Euro-Marke schon locker reißt, aber im Gegensatz zum 12er oder 15er unbestreitbare Geschmacks-Qualitäten hat.

Der 12er SO ist eine sehr ausgewogene Sherry-Koryphäe, rund und weich, während der 18er FO aus verschiedenen Fässern, bzw. Fassorten kommt und durch hohe Komplexität besticht, sehr verwoben in allen Nuancen, manchmal fast zu perfekt, so dass er an manchen Tagen schon etwas langweilig wirken kann – dann muss man sich aber nur an das Preisschild erinnern, und die Langeweile verfliegt im Allgemeinen recht schnell.

Wir geben also den neuen eine Chance und fangen mit dem Gold an, dem Einsteiger unter den Bunten. Wirkt von der Nase bis in den Hals recht jung, sogar sprittig, und leicht metallisch. Nicht vollkommen charakterlos, aber doch, na sagen wir mal‚ sehr unspektakulär. Etwas fruchtig, aber von mir bekommt er nicht mal die Bronze-Medaille. Im Sommer als Aperitif mit Freunden vielleicht gut trinkbar, aber da leistet auch eine Major’s Reserve für ein Drittel des Preises gute Dienste.

Der Amber (= Bernstein) lässt uns nicht nur rätseln welchen Farbton das jetzt genau im Vergleich zu Gold meinen soll, sondern auch recht angestrengt nach farblichen Unterschieden zum Gold suchen. Auch geschmacklich ist das nicht so einfach, bis auf eine leicht säuerliche Note, vielleicht etwas Hefe mit einem Hauch von Schwefel? Genau – schwer zu fassen, aber eher eklig. Nun gibt es wohl Leute, die diese Noten anders, sogar positiv interessant empfinden, aber ich gehöre nicht dazu und Kollege su auch nicht. Positiv immerhin, dass er wenigstens nicht wesentlich teurer angeboten wird als der Gold.

Der Sienna hat definitiv eine unterscheidbare Farbe zu den beiden ersten, obwohl der Ton eher zwischen Siena und gebranntem Siena (wenn man Wikipedia da glauben darf) liegt. Also rötlicher, aber doch etwas blass kommt er ins Glas gerollt. Im Geruch schon deutlich Sherry, aber kein vergleich zum 12er SO und im Geschmack auch Anklänge an die Komplexität des 18jährigen FO – als schon erkennbar Macallan, aber doch ein relativ schwacher Abklatsch, mehr wie die Philharmoniker aus dem iPod im Vergleich zum Konzertsaal. (Ja, mit den weißen Standard-Stöpseln – leider.) Dafür sind die 80 Euros einfach nicht angebracht, solange es noch die Originale gibt.

Tapfer wie wir sind, haben wir jetzt nicht tränenreich aufgegeben, sondern uns auch noch dem Ruby gewidmet. Und das ist tatsächlich ein Edelstein, in der Carnegie Hall dazu. Naja, vielleicht machen es die Kollegen auch einfach, den Star scheinen zu lassen, aber das ist mehr Sherry als im 12er vertreten (ich fürchte, der 18er muss demnächst aus dem Keller zum Vergleich), und er erreicht die Komplexität des 18er Fine Oak. Also ein wirklich guter Macallan für einen wirklich typischen Preis von 150 Euro und darüber. Der kann was und ist das Tasting auf jeden Fall wert – ob er sein Geld wert ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Für 150 Euro gibt es viele gute Whiskys, z. B. auch (noch) 3 Flaschen 12er Sherry Oak, aber wenn man überlegt wie viele besondere Whiskys schon um die 150 Euro kosten, dann ist der Ruby gar nicht mehr so exklusiv.

2 thoughts on “Gold, Amber, Sienna and Ruby…

    1. Avatar of mmmm Post author

      Ich finde ja traumhafte Preise eher die, die kleiner sind, aber ich denke ich verstehe Dich sehr gut. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir z. B. statt Dreimal den Gold zu kaufen lieber einmal den Ruby holen würde und als Sommer-Dram dann auch mal mit einer Major’s Reserve gut leben kann.

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