Flabbergasted

…ist eines der tollsten Worte, die die englische Sprache so bereit hält – und genau das was ich war, als ich folgendes gehört habe:
[Aus Gründen des Quellenschutzes muss ich vage bleiben, aber Ihr wisst sicher trotzdem wovon ich rede]

Es gibt in meiner Heimatstadt jemanden, der sammelt Whiskys, die in seinem Geburtsjahrgang destilliert wurden.  Gut, das tun wir irgendwie fast alle, oder würden es zumindest gerne. Nur besagter Sammler hat wohl über … naja, eben sehr sehr viele Flaschen schon gebunkert, dass ein Raum dafür nicht mehr genügt. (Und er hört nicht auf damit) In jedem Fall sind es wohl so viele, dass er sie im Leben nicht mehr trinken kann.
Da weder er noch ich das sind was man als spring-chicken bezeichnet, schon zweimal nicht. Es versteht sich, dass das kein billiger Spaß ist, und etwas freundlicher Neid mischt sich in die Betrachtung sicher hineinen. Aber ich bin hauptsächlich sauer  weil es natürlich auch mein Geburtsjahrgang ist und er mir den Markt leer kauft. Und sicher die Preis treibt. Der Schuft! Was soll ich tun, umziehen? Vielleicht nach Tokyo, wo die Räume so  klein sind, dass ich mit meinen 2 Falschen zumindest einen halben Raum voll bekommen?

Praktisch betrachte ist ja so, dass die Sammlung für seinen Erben wohl deutlich weniger symbolischen Wert haben dürfte, da der wahrscheinlich später geboren sein dürfte. Die Chance, dass ich Teile der Sammlung dann günstig aufkaufen kann sind auch eher begrenzt, denn ich will ja auch nicht ewig leben. Da das Leben also eh’ zu kurz ist, höre ich auf mir darüber Gedanken zu machen und erzähle nur noch kurz, dass ich heute an einem Diaego – Stand im Kaufhaus vorbei gekommen bin, und dort einen Cardhu 18 Jahre kosten durfte. Sehr rund, sehr angenehm und reif, nur diese Flasche, die ist so grausig…

2 thoughts on “Flabbergasted

  1. Avatar of susu

    Über die Pathologie des Sammelns könnte man viel schreiben (ich denke wirklich, es ist wie eine Sucht – ich kenne auch den ‘Kick’ bei der Jagd nach einer besonderen Flasche, der schnell nachlässt, wenn man sie dann besitzt, und einen nach neuen Kicks suchen lässt …)

    Ich versuche also nur ‘in Maßen’ zu sammeln (was manchmal schwerfällt …) Also nicht um Größenordnungen mehr kaufen, als ich (mit Freunden) auch trinken könnte. Niemals eine Flasche kaufen, von der ich schon weiß, dass ich sie nicht öffnen würde, weil sie zu teuer zum Trinken ist.

    Denn wenn das Sammeln zum Selbstzweck wird und der gute Schnaps in den Hintergrund tritt, könnte man ja ebensogut Streichholzschachteln sammeln ;)

    1. Avatar of gkgk

      Volle Zustimmung. Nebenbei: Wenn ich so einige Forums-Postings von mir aus der Anfangszeit meiner Single-malt-Begesiterung jetzt nach einem halben Jahr lese,packt mich schon heiliges Erschauern, wie schnell sich alles ändert. Damals war ich stolz, auf meiner Kommode im “Jagd-Zimmer” fast eine Reihe voll mit Whisky-Tubes bekommen zu haben – sagenhafte 12 Flaschen. Hoch und heilig gab ich zu verstehen, dass meine Ankaufplanung bei spätestens 24 Flaschen ihre Vollendung gefunden hätte.

      Eine Woche später wußte ich schon, dass man, wenn man nicht nur dicke Tubes wie die von Aberlour und Bruichladdich nebeneinander stellt, 14 Tubes in eine Reihe bekommt, was gleichbedeutend mit dem Kauf weiterer 4 Flaschen (dann 28) war um gleich auch die 2. Reihe voll machen zu können.

      Wiederum ein paar Wochen später war ich schon dreireihig und nannte 42 Kartuschen mein eigen. Zwischenzeitlich war ich auch mit der 3. Version meiner mehrseitigen Excel-Liste zufrieden, die mittlerweile zur Verwaltung der vorhandenen geschlossenen, geöffneten, gerade geleerten, für den nächsten und für fernere Käufe vorgesehenen Flaschen nötig geworden war.

      Entsetzt nimmt mein Lenor-Gewissen in schwachen Stunden zur Kenntnis, dass es nur ein untergeordnetes Problem werden wird, die mittlerweile noch fehlenden 40 Flaschen heraus zu suchen, um 100 Flaschen zum Appell versammeln zu können. Wo soll das enden ?

      Der kleine Teufel auf meiner rechten Schulter flüstert mir zu: Bis zur Weltherrschaft ist es noch ein weiter Weg.
      Und der kleine Engel gegenüber beruhigt mich: Ein gewisser Schwund wird auch durch Flaschenteilungen eintreten. Mit jeder neuen Bestellung denkst Du also auch an Deinen Nächsten !

Leave a Reply